Geschichte

Nach sicheren mündlichen Überlieferungen wurde der Verein im Jahre 1857 durch den Lehrer Ignaz Kindler gegründet.
Noch heute sind die Nachkommen der Gründungsmitglieder aktiv im Verein tätig: Vor allem die Familien Businger, Steinle und Lieb sind die tragenden Säulen bis heute geblieben.
Etwa ein Jahr später musste der Gründer des Musikvereins, Lehrer Ignaz Kindler, Hettingen berufsbedingt verlassen und der Verein ruhte.

Erst 1870 entwickelte sich der Musikverein unter der neuen Führung von Lehrer Schiller weiter. Er nahm sich der Musikkappelle und dem Kirchenchor an und bildete auch den Nachwuchs aus.

Im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts hatte der Verein seine Anfangsschwierigkeiten überwunden und war ein fester Bestandteil bei allen öffentlichen Veranstaltungen innerhalb der Stadt geworden.
Um die Jahrhundertwende hatte sich der Verein bereits soweit entwickelt, dass er eigene Feste und Aktivitäten ausrichten konnte.
So wurde 1899 ein Ausflug nach Ittenhausen gemacht, sowie 1902 gemeinsam mit dem Gesangverein Kaiseringen ein bunter Abend im Gasthof Adler veranstaltet.

Anlässlich der Fahnenweihe des Militärvereins im Jahre 1886, bei der ein Musikdirektor Denser aus Mengen die Kapelle leitete, wurde von ihm zu diesem Anlass der Hettinger Marsch geschrieben.
Leider gibt es nur mündliche Überlieferungen – die Noten selbst sind nicht mehr auffindbar.

1904 begleitete der Musikverein die Schulkinder vom alten ins neue Schulhaus. Beim alten Schulhaus handelt es sich um das heute nicht mehr existierende Rathaus; das neue Schulhaus ist die heute so auf dem Bild gezeigte „alte Schule“.
Die Kinder wurden in einer Prozession und unter den Klängen „Komm Schöpfer Geist“ an ihre neue Wirkungsstätte geleitet.

Im Jahre 1907 beim Durchbruch des Eisenbahntunnels, umrahmte der Musikverein das Ereignis mit dem Durchmarschieren unter Marschklängen durch das neue Bauwerk.

Das aufblühende Vereinsleben wurde 1914 mit dem Beginn des ersten Weltkrieges jäh unterbrochen, als von den 14 aktiven Musikanten mehr als die Hälfte ihren Dienst als Soldat weit weg von Verein und Heimatstadt ableisten mussten. Drei davon mussten ihr Leben lassen: Rudolf Businger, Wendelin Kornwachs und Josef Friedrich.
Nach diesem Einschnitt waren es besonders Konrad Businger und Andreas Steinle, die den Verein wieder mit neuen Mitgliedern aktivierten.

Anlässlich der Heimkehr der letzen der 18 Kriegsgefangenen wirkte der Musikverein bei der Feier im Adler mit. Die Chronik spricht von
„zwei Musikgesellschaften“ was darauf hin deutet, dass zu diesem Zeitpunkt im Ober- und im Unterstädtle getrennt musiziert wurde.

Am 6. und 7. Juli 1929 wurde das 3. Verbandsmusikfest des Schwäbische-Alb Musikverbandes, dem seit der Gründung 1926 der MV Hettingen angehörte, in Hettingen ausgerichtet und gefeiert.
Zitat aus dem Original-Protokoll:
Es nahmen 13 auswärtige Kapellen am Wertungsspiel teil. Leider war das Wetter auf den Verein nicht gut gesinnt, so dass man nur minimale Einnahmen erzielte.
Das Bild zeigt ein Luftbild von Hettingen aus dem Jahre 1931

Mit Beginn der 30er Jahre war der Verein in der Region und vor Ort vielfach gefordert und aktiv.
So umrahmte er die Einweihung der Schwesternstation im Jahre 1930 und erhielt von Seiner Hoheit dem Fürst von Sigmaringen dafür die fürstliche Spende von 30 Reichsmark.

Die Geschäfte des Musikvereins führte damals in uneingeschränkter Weise Dirigent Konrad Businger, Schmiedemeister.
Im Jahr 1931 wurde dem Verein eine Räumlichkeit im Rathaus zur Abhaltung der Proben überlassen.

1931 besuchte der Verein drei Musikfeste und Wertungsspiele; vom Fest in Burladingen erhielt man als Preis sogar eine Trompete.
Die Fahrten zu den Auftritten wurden mit dem „Auto“ von Otto Steinhart gemacht – es handelte sich wahrscheinlich um einen LKW.

Beim Verbandsfest 1933 in Trochtelfingen präsentierte der Verein zum 1. Mal die neuen Uniformen, die von Hettinger Schneidern angefertigt worden waren.
Scheinbar erweckte der Verein mit den neuen Uniformen bei den Trochtelfingern Neid, denn es wurde ihm vorgeworfen, die Dekorationsfähnchen am Gasthof „Greifen“ entwendet zu haben. Dieser Vorwurf wurde aber dann in der Lauchertzeitung von der Wirtin widerrufen und klargestellt, dass der Musikverein Hettingen schuldlos sei. Sie zahlte 15 RM als Wiedergutmachung für die Rufschädigung in die Vereinskasse.
Die neue Uniform war mit viel Schweiß hart erarbeitet werden: Folgende Aktionen wurden zur Finanzierung u.a. durchgeführt:
Dung vom Farrenstall ausfahren;
Spalten von 200 Metern Holz des Sägers Knaus für 40 Pf pro Meter;
Einladen von 4 Eisenbahnwagon Buchenholz;
usw.

1935 unternahm der Verein einen Ausflug auf die im Bild gezeigte Zollernburg nach Hechingen.
Kurz vor dem 2. Weltkrieg im Jahre 1939 unternahm der Verein einen weiteren Ausflug nach Freiburg und Donaueschingen mit einem Bus des Kreisautobetriebs.
Zitat aus dem Originalprotokoll:
Bei diesem Ausflug wurde – wie von einer bösen Vorahnung getrieben – die Vereinskasse so ziemlich leer gemacht.
Zitatende
Der Ausflug ist, so der Eintrag im Protokollbuch, allen zur höchsten Befriedigung ausgefallen.
Dies war der letzte Eintrag im Protokollbuch vor Beginn des 2. Weltkrieges.

1942 verstarb der erste Schriftführer und Kassier des Vereins Alois Steinle. Trotz Kriegszeiten spielte ihm der Musikverein auf dem Friedhof einen letzten Gruß. Das bezeugt auch die Aktivität des Vereins während der Kriegsjahre, wobei weitere Aktivitäten nicht bekannt sind.

Die ersten Jahre nach dem Krieg waren vom Neuaufbau des Vereins geprägt.
Von 1945 – 1954 wurden unter Dirigent Konrad Businger 10 Zöglinge aufgenommen und ausgebildet. Sie wurden neben einem aktiven Musikanten, der das gleiche Instrument spielte, platziert. Damals schon gab es also das „Learning by doing“.
Mit einem Dampfsonderzug fuhren die Jugendlichen Wilhelm Horn, Alois Businger, Julius Datz, Max Steinle, Anton Lieb, Maurer, Anton Lieb Schneidermeister und Johann Lieb zum Jugendmusiktag auf die Burg Hohenzollern.
Die Jugendlichen nahmen auch an einem Wertungsspiel in Riedlingen teil und erhielten einen Haushalts-Fleischwolf als Pokal. Dieser wurde am Abend im Gasthof zum Ochsen an den Meistbietenden versteigert. Bei diesen Jugendlichen handelt es sich teilweise um unsere heutigen Ehrenmitglieder
Trotz dieser Erfolge war es nicht immer gut um die Kameradschaft bestellt. Auch der lasche Probenbesuch wurde bemängelt und zwischen alt und jung kam es öfters zu hitzigen Diskussionen.
Die Auseinandersetzungen konnten jedoch glücklicherweise immer wieder in einer der Hettinger Wirtschaften bei einer Runde Bier geschlichtet werden.

Die Fahnenweihe im Jahr 1950 war eines der größten Ereignisse in der Geschichte des Musikvereins Hettingen. Die Fahne war Symbol des Erhalts „von gutem Brauchtum“ und richtete sich gegen ein „Abgleiten zum Negerjazz“ , der die traditionelle Musik zu vergiften drohte, so der 1. Vorsitzende Karl Steinle bei seiner Festansprache im Jahr 1950.
Mit Negerjazz war die moderne Rock und Popmusik gemeint.

Im Jahre 1952 geriet der Musikverein in eine Krise, nachdem einige aktive Mitglieder ausgetreten waren und dadurch die Existenz des gesamten Vereins in Frage gestellt wurde. Die Protokolle sprechen vom „schwärzesten Tag in der Vereinsgeschichte“.
Nach mündlichen Überlieferungen war der Auslöser des Streites die Gründung der Tanzkapelle TICO.
Darauf folgend am Kirchweihfest war die Musikkapelle nicht spielfähig. Die meiste Zeit war der 1. und 2. Vorsitzende bei den Proben alleine mit den Jungen.
Erst am Volkstrauertag sind erfreulicherweise einige alte Musiker wieder dem Ruf gefolgt und der Verein überstand auch diese Krise.

1953 wurde von Säger Emil Knaus dem Musikverein eine Lyra gestiftet.

Im Jahre 1957 feierte der Verein sein 100-jähriges Bestehen. Im Rahmen der Feierlichkeiten fand unter anderem ein Feuerwerk und ein Festzug statt, bei dem auch Fürst Friedrich von Hohenzollern anwesend war.

1962 fand der erste Kameradschaftsabend statt.
Die Männer bekamen 2 Flaschen Bier, die Frauen 1 Tasse Kaffe und 2 Stck. Kuchen
Die Tradition des Kameradschaftsabends hat sich bis heute erhalten.
Aus den Kuchen ist aber ein kaltes Buffet geworden.

Am 19. Januar 1963 erhielt Dirigent Konrad Businger die Fördermedaille in Gold am Bande.

1967 wurde eine neue Uniform angeschafft. Verschiedene Firmen spendeten hierfür Geld. Auch die Nachbargemeinde Hermentingen leistete einen Beitrag von 200 DM. Aus diesem Anlass wurde ab sofort bei der Fronleichnamsprozession in Hermentingen mitgewirkt. Der damalige Dirigent war Gerhard Buck aus Gammertingen.

1969 wurde das Gartenfest ins Leben gerufen. Es handelt sich um den Vorläufer des heutigen Frühlingsfestes.

Im Jahre 1973 wurde dem damaligen 1. Vorsitzenden Karl Steinle die Bundesfördermedaille in Gold verliehen.

Im Jahre 1975 erhält der Musikverein Hettingen die PRO-Musika-Plakette aus den Händen von Bundespräsident Walter Scheel.

Im Jahre 1975 fand das 17. Kreismusikfest in Hettingen statt.

Die Feierlichkeiten zum Kreismusikfest umrahmte damals der Karl-Otto Fetzer-Chor der Firma TRUMPF.

Der langjährige Vorstand Karl Steinle legt sein Amt 1982 nieder. Er war 34 lange Jahre der 1. Vorstand des Vereins und zwar von 1948 bis 1982.

Als Nachfolger wurde Helmut Wessner benannt.
Er hatte auch zugleich die Aufgabe das Kreismusikfest zum 125 jährigen Jubiläum des Musikvereines zu organisiere.

Im Jahre 1987 wurde das 1. Frühlingsfest am Vatertag mit großem Erfolg durchgeführt Es wurde 3 Tage Bockbier ausgeschenkt, was wiederum bei manchen Vätern erhebliches Kopfzerbrechen bereitet hat.

Der Probenbesuch während der gesamten Vereinsgeschichte kommt immer wieder zur Sprache.
Zitat aus einer Musikprobe des damaligen Vorstandes Herr Wessner:
Herr Dirigent Schäfer, es ist schlimm, wenn man den Dirigenten öfters sieht als seine Frau.

Aus Platzgründen wurde das Jahreskonzert im Jahre 1991 erstmals in Inneringen abgehalten.
Trotz anfänglicher Widerstände hat sich die Durchführung des Konzertes in Inneringen als vorteilhaft erwiesen, sodass die folgenden Konzerte auch in der Albhalle stattfanden.

Helmut Wessner führte die Vereinsgeschicke insgesamt 20 Jahre lang
Für diese Tätigkeit erhielt er 2002 die Fördermedaille in Gold
Als Nachfolger wurde Roland Businger gewählt, der bis zum heutigen Tage den Verein leitet.

Hier die Zusammenfassung aller Vorstände des Vereins seit Beginn:
Andreas Steinle;
Erwin Gauggel;
Karl Steinle;
Helmut Wessner;
Roland Businger
Bemerkenswert ist, dass nur 5 Vorstände die Vereinsgeschichte 80 Jahre lang geprägt haben.